Hinterm Horizont… 

…fahren wir weiter über Schlagloch durchsiebte Straßen.

Wir sind auf unserer Weltreise mit unseren beiden Motorrädern in Kasachstan unterwegs. Die Straße von Aktobe weg ist noch ein Stück weit recht gut.  Es geht meist geradeaus und man bekommt den Eindruck direkt in den Horizont zu fahren.

DSC_0012_1024

Bei einem der Tankstops bei denen Bjarne schon vor dem Tanken bezahlen muss um die Zapfsäule frei zu schalten, stellt er sein Bike „schön aufrecht“ ab. Leider zu aufrecht, denn bei einem kleinen Windstoß kippt das Bike direkt in die Zapfsäule hinein…

Zum Glück ist der Säule und dem Bike bei näherem Hinschauen nichts passiert. Leider war jedoch der Helm am Siegel. Bei diesem hat es das Sonnenschild verbogen.

Und wie wir bei der Fahrt feststellen müssen ist leider auch das Headset kaputt gegangen.

Ohne Kommunikation kommt unsere alte Zeichensprache wieder zum Einsatz. Mit der linken Hand wild auf den Helm hauen bedeutet zum Beispiel: dein Licht ist ausgeschaltet!

Recht spät finden wir einen schönen Platz zum campen und versuchen gleich unser Zelt aufzustellen. Dabei hören wir ein ungutes Geräusch in der Zeltstange. Im gleichen Moment kracht diese dann auch an der bereits reparierten Stelle nochmals…

Als der erste Reparaturversuch scheitert, entscheiden wir uns die Stange mit einer weniger   belasteten auszutauschen und flicken diese am anderen morgen.

Beim dritten Versuch hält die Stange dann endlich wieder zusammen. Der Helm wird auch gleich mit geklebt und so startet dieser Tag mit Reparaturarbeiten und Nähen von Socken und Motorradhose.

Damit es an diesem Tag nicht langweilig wird, verliere ich bei der Weiterfahrt gleich beide Schrauben von der hinteren Fußraste und bei Bjarne wackelt das Topcase verdächtig stark!

Wir hoffen, dass wir nur die Muttern verloren haben.

Abends dann stellen wir leider fest, dass sich eine Platte vom Rahmen gebrochen ist, auf der der Gepäckträger verschraubt ist! Das können wir so nicht richten…

Wir packen also das Topcase auf meinen Frosch, zurren Reifen und Rolle auf Bjarnes kaputtes Heck und nutzen den Fluss nebenan als willkommene Waschgelegenheit.

Am anderen Tag stellt sich die Frage, ob wir von Kostanai aus nach Petropavl die obere Route nehmen, entlang der Russischen Grenze, oder die untere. Wir treffen einen Kasachischen Biker, der uns bei der Entscheidung hilft: Die untere Route ist nur Steppe und bei der oberen gibt es schönen Wald und Wiesen.

Da wir viel Steppe gesehen haben entscheiden wir uns für Wald. Die Straßen sollen wohl ähnlich gut oder schlecht sein…

Leider war das eine folgenschwere Entscheidung!

Schon bei der ersten Pause stellen wir fest, dass es aufgrund der tollen hohen Wiesen von Moskitos und Stechwilligen Insekten nur so wimmelt…

Dies verkürzt die Pausen ungemein.

P1060530_1024

Bei der Suche nach einem Zeltplatz geht es uns kein Stück besser. Sobald wir die Helme abnehmen um uns umzuschauen wimmelt es in Scharen.

Wir fahren weiter bis wir an einer Tankstelle erfahren, dass wir die Hoffnung auf ein Hotel in den nächsten 150 Kilometern aufgeben können. Und leider wird es schon so langsam dunkel. Nicht gerade optimal bei Motorrad-Räder-verschluckenden Schlaglöchern auf der Straße…

Also schmieden wir einen Plan. Jeder bekommt eine Aufgabe beim Zeltaufbau um so den reibungslosen Ablauf bis zum rettenden Innenzelt zu gewähren.

Der nächste Abzweig soll es sein. Wir finden ein gemähtes Stück Wiese nahe einem Wald. Sieht perfekt aus!

Doch dann… Erst verabschiedet sich mein Frosch dank des weichen Untergrunds und kurz darauf fällt Bjarnes Bike um. In voller Motorradkleidung plus Insektennetz für den Kopf versuchen wir trotz allem einen kühlen Kopf zu bewahren…

Endlich steht das Zelt und wir können uns hinein flüchten! Aber frage nicht nach Sonnenschein wenn einer von uns Beiden zur Toilette sollte…

Am anderen Morgen werden wir von Regen geweckt. Der bereits schon zuvor sehr weiche Weg ist nun eine einzige Schlammpfütze…

Als es gegen spätem Vormittag besser wird, entscheiden wir uns es trotzdem zu wagen. Noch eine Nacht halten wir es an diesem Platz nicht aus!

Wieder wird in voller Motorradkleidung mit Netz über dem Kopf aufgepackt.

Wir fahren am Rande des Weges in der Wiese. Die ersten paar Meter scheint dies eine gute Idee. Bis Bjarne mit Schwung in einen Acker fährt und kein Stück mehr weiter kommt.

Wild gestikulierend gibt er mir zu verstehen, dass ich mir einen anderen Weg suchen möchte.

Ich versuche es entlang einer hohen Wiese in der Hoffnung, dass es danach weiter geht. Fehlanzeige. Dann denke ich mir, so schlimm kann eine hohe Wiese nicht sein. Also fahre ich hinein. Über die ersten drei Ackerrinnen komme ich. Dann hängen meine Füße in der Luft und mein Motorrad bewegt sich nicht mehr… Ich falle um.

Zumindest ein Motorrad geparkt eile ich Bjarne zur Hilfe. Ich versuche es mit Schieben und Zerren. Nichts geht mehr. Immerhin können wir sein Bike schön an die Ackerspur lehnen und erst einmal   meinem Frosch auf die Beine helfen.

Mit vereinten Kräften drehen wir mein Bike um. Bjarne hievt das Vorderrad und ich lasse es sanft zu Boden gleiten und zerre am Lenker mit. Ein paar mal geht das so. Dann hebt er das Vorderrad und ich soll Vollgas geben. Lieber soll ich ihn umfahren! Oh man… Meine Nerven…

Niemand wird umgefahren nur mein Frosch landet noch einmal auf dem Boden, bevor er endlich aus dem Schlamassel draußen ist. Nun zu Bjarnes Bike…

Gleiche Prozedur noch einmal. Bjarne hebt hoch und ich lasse das Bike sanft zu Boden und zerre am Lenker mit. Ein paar mal.

Endlich sind unsere Bikes soweit, dass wir (Bjarne fahrend und ich dahinter schiebend) jedes Bike einzeln Stück für Stück Richtung Straße bewegen können.

Was für ein Kraftakt! Und überall auf Schritt und Tritt versuchen uns die Moskitos auf zu essen!

Auf der Straße lassen wir die Fliehkräfte zunächst einmal die Arbeit am Dreck erledigen bevor wir   anhalten und den groben Schmutz mit Heringen entfernen.

Wir sind fertig, verdreckt und nass geschwitzt bis auf die Knochen. Wir entschließen uns in  Petropavl zwei Nächte im Hotel mit heißer Dusche zu gönnen!

Und natürlich den Bikes und unseren Klamotten eine Wäsche!

 

 

 

2 thoughts on “Hinterm Horizont… 

  1. Hallo Ihr beide,wenn man Eure schönen Bilder und Erfahrungen die Ihr so erlebt ansieht sage ich nur „Hut ab“ Wünsche Euch weiterhin eine schöne Reise und viele neue Eindrücke

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.