Neuseeland – Freier Fall

Wir brechen von Lumsden, der südlichen Insel Neuseelands auf, weiter Richtung Norden. Wir haben nur noch ein paar Wunschziele, bevor wir zurück nach Christchurch fahren und dann weiter nach… ?

Also genießen wir die Fahrt in unserem Hippie-Camper, in dem sich 80km/h schon verdammt schnell anfühlen und sich das Gefühl des Fliegens einstellt, wenn der Fahrer so tollkühn ist die Tachonadel gen Hundert zu treiben! 

Ab und an stoppen wir am Straßenrand und bewundern diese wunderbare Landschaft, die mit so viel Farbe gemalt ist, dass jeder Wasserfarbkasten ganz neidisch wird.

Doch da im Vorbeifahren hebt sich etwas Anderes zwischen den vielen Farben und Schattierungen ab! Wir fahren an der Brücke des ersten kommerziellen Bungy Sprungs vorbei: der Kawarau Bridge! 

In meinem ganzen Körper zuckt es vor Aufregung! Das klingt nach Spaß!

Aber ich hadere! Dieser Preis passt mir leider so gar nicht in unser Reisebudget… 

Wir fahren tatsächlich weiter. Mein Verstand hat gesiegt, aber so ganz überlegen komme ich mir nicht vor…

Abends finden wir einen schönen Platz zum Schlafen. Ich habe Zeit zu träumen…

Nach einer ausgiebigen Wäsche und gutem Zureden von Bjarne, meinem liebsten Ehemann drehen wir doch nochmal um! So schnell kommen wir wohl nicht mehr hier her. Da müssen wir doch mitnehmen was wir kriegen können, oder?

Ich genieße den freien Fall! 

Bjarne schaut sich das Ganze lieber von Weitem an. Er ist zwar begeistert, jedoch nicht fürs selber springen.

Es geht weiter nach Wanaka zum „Lone Tree“. Ein berühmtes Fotomotiv, das in Wirklichkeit viel Fotoshop braucht..

Langsam müssen wir leider auch Gas geben. Unsere Zeit ist deutlich angezählt. Und für mehr als ein paar Stops um die Landschaft nochmals tief einzuatmen fehlt es an eben dieser.

Unsere letzten geplanten Stops sind die Gletscher Fox und Franz Joseph. Beim Ersteren hatten wir noch richtig Glück mit dem Wetter und genießen den langen Marsch zur Gletscherzunge in vollen Zügen. Ein wenig erschreckend ist jedoch, dass der komplette Weg, den wir gehen müssen bis vor ein paar Jahren noch selbst vom Gletscher bedeckt war!

Da genießt man die Wärme nur noch teilweise…

Zum Franz Joseph Gletscher wandern wir bei Regen. Leider bekommen wir auf diesen auch nur einen Fernblick. Wenn auch mein tollkühner Liebster gerne hinter dem Absperrband weitergekraxelt wäre…

Die letzte freie Nacht ist angekommen. Danach müssen wir auf einen Campingplatz in der größten Stadt der Südinsel.

Wir verbringen sie bei Regen auf einem kostenlosen Platz im Grünen. Es ist schön und traurig zugleich. 

Zu allem Übel bemerken wir am nächsten Morgen, dass unser Hippie-Camper für so viel Regen wohl doch nicht gemacht ist. An der Windschutzscheibe hat es reingeregnet. Der Fußraum auf der Beifahrerseite ist schon halb überschwemmt. Aber viel schlimmer ist, dass der Fahrersitz eine ordentliche Pfütze abbekommen hat…

Bjarne fährt also mit Handtuch und ohne Hose tapfer weiter!

Zwei Nächte verbringen wir auf dem Campingplatz in Christchurch. Auch die vom 13. auf den 14. November 2016.

Das ist die Nacht in der ein Erdbeben von der Stärke 6,3 in genau dieser Gegend losrollt. Wir sind gerade dabei Richtung Camper zu gehen von einem netten Spiele-Abend mit einem anderen Pärchen. Der Boden stellt sich an wie eine Waschmaschine. Fühlt sich an wie ein Wackelpudding. 

Als es vorüber ist sind alle froh, dass erstmal nichts erkennbares passiert ist. Allerdings müssen wir uns darauf gefasst machen, dass es die ganze Nacht und am Tag danach noch einige  Nachbeben geben wird. Wir wissen bis dahin auch nicht wie sich das auf unseren Flug einen Tag später auswirkt…

Auf jeden Fall sind wir froh schon an Ort und Stelle zu sein, da um Christchurch herum Straßen teilweise zerstört sind.

Und unser Flug geht dann doch pünktlich los.

Dieser besagte Flug geht nach Hause. Es ist eine Überraschung und Niemand weiß darüber bescheid. Mit gemischten Gefühlen sitze ich beim ersten Flugstop da.

Die Sonne geht blutrot über dem Flughafen in Abu Dhabi auf. Eine Art Ufo steht neben den Flugzeugen im Vordergrund direkt zur Sonne. Was für ein Anblick!

Ich bin müde. Mit einem leckeren Cappuccino in der Hand beobachte ich wie sich die Sonne langsam über den Flugzeugen an den Himmel hochschiebt. Ein grauer Schleier liegt über der ganzen frühen Geschäftigkeit. Überall blinkt es. Ein neuer Tag beginnt.

Ein neuer Start. Man kann alles anders machen, alles gleich oder nichts von Beidem. Es spielt keine Rolle. Das Gefühl des Neuen ist greifbar wie eine Feder, die im Wind gleitet. 

Beängstigend und doch so erfreulich wie Tausend Schmetterlinge im Bauch! 

Mir schwirren so viele Pläne durch den Kopf dass mir ganz schwindlig wird. Ich halte mich an meinem Cappuccino fest. Die Sonne schleicht sich immer höher. Gleißend gelb ist sie jetzt und guckt fragend von oben herab. Es dauert nicht mehr lange, dann geht unsere Reise weiter. Das letzte Stück. Lange vor uns hergeschoben und jetzt doch so unerwartet nah. Nicht mehr lange, dann machen wir einen Köpfer in das Zurück, das es so nicht mehr gibt. Ziehen ein paar Züge in dem seichten und doch so angenehm vertrauten Wasser der Heimat, in dem jetzt alles anders ist. Oder auch nicht…

 

 

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